Ministerpräsident Winfried Kretschmann (zweiter von links) und Sozialminister Manne Lucha (rechts dahinter) gehen durch das Impfzentrum in Stuttgart.

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Es war wie jede andere Impfung", sagt Christine Helbig. Ein paar Minuten davor ist die 30-jährige Pflegerin von der Corona-Station des Klinikums Stuttgart als erste Baden-Württembergerin geimpft worden. Den Blumenstrauß ihres Chefs hat sie noch in den Händen. Es habe nicht weh getan. Helbig: "Das ist kein Hexenwerk." Die Pfleger und Ärzte mit direktem Kontakt zu Infizierten gehören zusammen mit den über 80-Jährigen zu der Gruppe, für die an diesem Sonntag die Impfung in ganz Deutschland begonnen hat.

"Der Impfstoff ist ein Meilenstein in der Pandemiebekämpfung", meint Ministerpräsident Winfried Kretschmann. Der Grünen-Politiker, der eigens zum Start der Impfungen im Südwesten in das Zentrale Impfzentrum in der Stuttgarter Liederhalle gekommen ist, schwankt an diesem Sonntag zwischen Jubel und Mahnung: "Die Impfung ist der Schlüssel für die von uns allen ersehnte Rückkehr zum gewohnten Leben - auch wenn wir weiter geduldig bleiben müssen."

Nicht einmal die Mondlandung kann seiner Ansicht nach bei der Leistung mithalten, die zu einem Impfstoff in nicht einmal 13 Monaten seit dem ersten Auftreten von Covid-19 führte. Aber es werde jetzt noch viele Monate dauern, bis genügend Menschen geimpft sind, um die berühmte Herdenimmunität zu erreichen. Der Regierungschef wirbt um die Unentschlossenen. Er selbst werde sich impfen lassen, wenn er an der Reihe ist.

Anmeldung

Die Corona-Schutzimpfung in einem der neun Zentralen Impfzentren in Baden-Württemberg ist nur möglich, wenn man vorher einen Termin vereinbart hat. Das geht entweder über die Rufnummer 116117 oder im Internet unter der Adresse www.impfterminservice.de.

9750 Dosen für den Impfstart im Land

Dass mit Christine Helbig und ihrem Mann zwei Pfleger aus Corona-Isolierstationen zuerst geimpft wurden, sieht Sozialminister Manne Lucha (Grüne) als vertrauensbildende Maßnahme. Denn die wüssten über Chancen und Risiken am besten Bescheid, betont der Minister, der selbst Krankenpfleger war. Er sei ein "wenig traurig, dass wir nicht die Zahl von Impfdosen bekommen, die wir verimpfen könnten". 9750 waren es für den Start für jedes Bundesland am Sonntag. Ab Mittwoch sollen es, in Abgängigkeit zur Einwohnerzahl, für Baden-Württemberg wöchentlich 87.750 sein. Das sind 12.500 Einheiten für das Land am Tag und 1400 je zentralem Impfzentrum. Dabei würde allein das Zentrum in Stuttgart im Zwei-Schicht-Betrieb 2500 Impfungen schaffen.

Bevor Kretschmann das Kongresszentrum verlässt, schickt er die mobilen Teams zu ihrem ersten Einsatz in den Alten- und Pflegeheimen der Stadt los. Die Bewohner dort hätten das höchste Risiko für einen schweren Verlauf. Erst vor Ort können die Teams die Spritzen vorbereiten, weil der Impfstoff empfindlich gegen Erschütterungen und auch nur eine Stunde haltbar ist.

Vor der Impfung übernehmen Ärzte individuelle Beratungen

Kaum sind die Promis weg, beginnt in der Liederhalle der Alltag. Die ersten älteren Herrschaften warten am Empfang. Dort müssen sie ihren Ausweis vorzeigen, erhalten dann per Video eine allgemeine und von einem Arzt eine individuelle Beratung über Risiken bei Vorerkrankungen und Unverträglichkeiten. Erst dann geht es in die nach Städten benannten Impfkabinen. Der Parcours endet im Ruheraum. 500 Personen sollen noch an diesem Nachmittag geimpft werden.

So schnell geht es andernorts keineswegs. Nur in Baden-Württemberg, Hessen, Hamburg und Sachsen-Anhalt werden seit dem zweiten Weihnachtstag über die Telefonhotline 116117 und über die Internetadresse www.impfterminservice.de Termine vergeben. Im Südwesten sind die Zentren Ulm, Tübingen, Offenburg und Karlsruhe noch nicht freigeschaltet, sollen aber in den nächsten Tagen folgen. Am 15 Januar sollen dann die 50 Kreisimpfzentren in Betrieb gehen.