Sharon Nooitmeer kam am Kreis auf zehn Tore. Aber auch die waren zu wenig.

Rolf Härdtner, Vorsitzender der Sport-Union Neckarsulm, nahm es mit Galgenhumor. "Herr Härdtner hat mir gesagt, beim nächsten Mal soll ich am besten auch noch mit aufs Feld kommen", verriet Tanja Logvin mit einem trockenen Lachen. Denn auf der Trainerbank, da konnte die ehemalige Weltklassespielerin, die eigentlich die Bundesliga-Mannschaft der Sport-Union coacht, der Neckarsulmer Reserve genauso wenig helfen wie Erstliga-Kreisläuferin und Abwehrkante Sharon Nooitmeer im Kader von Neckarsulm II.

Auch am Samstag musste sich die U23 geschlagen geben. Zum achten Mal im elften Württembergliga-Spiel. Mit einem 22:35 (12:17) zu Hause gegen Schwaikheim auch noch sehr deutlich. Was den jungen Neckarsulmerinnen neben Wille, Einsatz und Treffsicherheit fehlte, war erneut auch Cheftrainer Damir Lebovic. "Er ist jetzt schon wochenlang krank. Wir wissen noch nicht, was tatsächlich passiert", sagt Härdtner zum Gesundheitszustand des Coaches, den der Verein öffentlich nicht näher erörtern möchte.

Logvin: Einstellung ist unabhängig von der Liga

Weil die Bundesliga in der WM-Pause ist, bot sich Tanja Logvin als Unterstützung für Co-Trainer Branko Dobricic an. "Ich wollte gerne helfen und mich gar nicht groß einmischen. Aber das tut schon weh", sagte die 47-Jährige zu ihrem ernüchternden Abend, der sie schon weit vor dem Anwurf sehr verwundert hatte: "Alles fängt bei der Disziplin an. Wenn um 18.30 Uhr Treffpunkt ist und ich komme pünktlich, obwohl ich vorher in Frankreich war, muss aber eine Viertelstunde auf drei Spielerinnen warten, dann sagt das viel. Einstellung ist unabhängig von der Liga und die ist falsch. Das lässt sich nicht an einem Tag ändern."

Auch für Leistungsträgerin Svenja Mann, die Logvin im Kader der ersten Mannschaft trainiert und ebenfalls punktuell in der Bundesliga einsetzt, fand sie klare Worte: "Svenja war ein Totalausfall - sie hatte keine Lust."

Härdtner: Wir müssen Talente hierher holen

Wenig Lust, das Württembergliga-Team seiner Sport-Union weiter in dieser Weise scheitern zu sehen, hat Rolf Härdtner. "Wir sind am Schaffen. Wir nehmen das nicht einfach so hin. Dieses Jahr kann ich aber nicht mehr viel ändern. Wir müssen sicher Talente hierher holen", sagt Härdtner. "Branko Dobricic übernimmt im Moment erstmal das Training als Hauptverantwortlicher. Wir sind aber in alle Richtungen im Gespräch. Das ist alles noch ein bisschen komplizierter mit einem Krankheitsfall."

Rebecca Schäfer und die Neckarsulmer U23 stolperten immer wieder über die eigenen Fehlwürfe. Schwaikheim hatte so keine allzu große Mühe damit, die Sport-Union in Schach zu halten.

Fotos: Ralf Seidel

Wie schnell die Reserve der Sport-Union gesunden kann, ist äußerst fraglich. Als Drittletzter mit 5:17 Punkten stehen die Neckarsulmerinnen aktuell dicht am Abgrund. Zumal der Vorletzte HB Ludwigsburg bei 3:15 Punkten zwei Spiele weniger absolviert hat. "Meine Spielerinnen können helfen, wenn es passt - mehr kann ich in dieser Saison nicht anbieten", betont Logvin, die der Zweiten gegen Schwaikheim eigentlich auch Topkeeperin Sarah Wachter zur Seite stellen wollte, doch die war angeschlagen.

15 Würfe aus sechs Metern landen neben dem Tor

Kaum eine Torhüterin hätte es am Samstag hingegen für den Gast gebraucht. "Sie haben 15 Würfe aus sechs Metern neben das Tor geworfen", monierte Aushilfstrainerin Tanja Logvin, die neben Dobricic das Wort führte, die mangelhafte Chancenverwertung.

Schon nach knapp vier Minuten und einem 1:4-Rückstand hatten Logvin und Dobricic zur Auszeit gerufen. Auch dank Nooitmeer-Toren blieb die Sport-Union bis zum 7:10 (15. Minute) auf Augenhöhe. Nach dem 12:17-Pausenrückstand verlor sie den Gast aber langsam aus dem Blick. Neckarsulm taumelte mit einem 1:6-Lauf zum 13:22 (37.) aus der Pause. Da halfen am Ende auch insgesamt zehn Tore von Sharon Nooitmeer und Tanja Logvin auf der Trainerbank nicht.