Bereits in der Nacht warnt der Wetterdienst vor orkanartigen Böen. Der Sturm nimmt in der Region Heilbronn und im Hohenlohekreis am frühen Donnerstagmorgen Fahrt auf. Die Polizei verzeichnet bis zum Mittag 173 Unwetter-Meldungen. Menschen werden nicht verletzt, teilt das Präsidium Heilbronn für seinen Bereich mit. Die Höhe der bislang bekannten Schäden beträgt 100.000 Euro.

Von Stunde zu Stunde mehren sich im Laufe des Vormittags die Meldungen über herabgefallene Äste und umgestürzte Bäume. Morgens um kurz nach sechs ist die Lage noch entspannt. „Es war bisher ruhig“, sagt Corinna Heppe, Sprecherin des Heilbronner Präsidiums, zu diesem Zeitpunkt. Gegen 10 Uhr verzeichnet die Polizei bereits knapp 120 Meldungen. „In Nordheim beim Bahnhof ist ein Baum umgestürzt und hat gleich vier Autos beschädigt“, nennt Volker Klar, Sprecher des Präsidiums, ein Beispiel. Zudem seien einige Unfälle passiert.

Bevölkerung wurde über Warn-App informiert

„Die Feuerwehren sind im Dauereinsatz“, sagt Torsten Rönisch, Kreisbrandmeister im Hohenlohekreis. Die Einsätze verteilten sich über den gesamten Landkreis. Bei Krautheim stürzt ein Baum auf eine Hochspannungsleitung, in der Stadt fällt für einige Zeit der Strom aus. „Die Bevölkerung ist über die Warn-App Nina darüber informiert worden“, sagt Rönisch. Am Mittag kurz vor 14 Uhr gibt der Kreisbrandmeister Entwarnung: Der Sturm zieht weiter. Bis zu diesem Zeitpunkt seien 18 Feuerwehren ausgerückt. 23 Einsätze habe der Sturm ausgelöst.

Die Feuerwehr Heilbronn wird in der Stadt bis zum frühen Nachmittag 18 Mal wegen des Sturms angefordert, teilt deren Sprecher Jürgen Vogt mit. So habe eine orkanartige Böe ein Flachdach in der Stielerstraße erfasst und die Attika am Rand aus der Verankerung gerissen. Der Wind habe einzelne Holztafeln der Unterkonstruktion davongetragen und Nachbardächer sowie geparkte Fahrzeuge beschädigt. Angehörige der Feuerwehr entfernen die restlichen Tafeln und verschrauben das Blechdach provisorisch auf dem Untergrund. Schwer trifft es außerdem den Heilbronner Reiterverein. Das Dach der Halle am Trappensee wird so stark in Mitleidenschaft gezogen, dass ein geplantes Turnier abgesagt wird.

Im Landkreis verursachen die starken Böen 60 Feuerwehreinsätze. In Obersulm-Sülzbach beispielsweise kippt ein Baukran auf einen Rohbau. Die örtliche Feuerwehr sorgt dafür, dass keine losen Teile herabstürzen. Im Bereich Löwenstein und Wüstenrot fällt der Strom aus. Dem Energieversorger EnBW zufolge passiert das in vielen Orten. Die Mitarbeiter seien dabei, diese Störungen zu beheben.

Der Sturm wirkt sich außerdem heftig auf den Zugverkehr aus. Es kommt zu Weichenstörungen und Stromausfällen. Betroffen sind Fahrgäste auf den Stadtbahnlinien S4 und S42. 

Sturm hinterlässt auch in anderen Landesteilen Schäden

Das Sturmtief hat die Einsatzkräfte auch in anderen Landesteilen in Atem gehalten. Die Feuerwehr in Karlsruhe teilte mit, dass im Landkreis ein Mensch von einem umstürzenden Baum schwer verletzt worden sei. Nahe Sinsheim (Rhein-Neckar-Kreis) wurde nach Angaben der Polizei eine Person durch einen herabfallenden Ast verletzt.

Im Windpark Nattheim (Kreis Heidenheim) zerstörte der Sturm eine Windkraftanlage, wie die Stadtwerke Heidenheim mitteilten. In Ludwigsburg stürzte ein größeres Gerüst auf ein Gebäude, wie es von der Polizei hieß. Auch musste der öffentliche Nahverkehr wegen der Naturgewalt teilweise eingeschränkt werden. Im Kreis Breisgau-Hochschwarzwald waren Wege und Straßen durch umgestürzte Bäume teilweise nicht befahrbar. 

Bei Philippsburg stürzte der Anhänger eines Lastwagens um, wie die Polizei mitteilte. Das Gespann sei am Donnerstagmorgen in Richtung Bruchsal unterwegs gewesen, als der Anhänger auf einer Brücke von einer starken Windböe erfasst und auf die Seite geworfen wurde. Wegen umgestürzter Bäume, Weichenstörungen und Stromausfällen kam es etwa auch rund um Karlsruhe zu erheblichen Einschränkungen im Bus- und Bahnverkehr.

Orkanartigen Böen im Bergland

Der Deutsche Wetterdienst (DWD) hatte für Donnerstag vor orkanartigen Böen im Bergland sowie Sturmböen in den nördlichen Landesteilen gewarnt. Vereinzelt könne es zu Gewittern kommen, hieß es. Im Bergland war mit orkanartigen Böen bis 120 Kilometern pro Stunde gerechnet worden. Grund dafür war ein umfangreiches Tiefdruckgebiet über Nordeuropa. Im Laufe des Tages beruhigte sich die Lage in manchen Regionen zunächst. Rettungskräfte waren nach den stürmischen Stunden mit Aufräumarbeiten beschäftigt.

Noch in der Dunkelheit wurden erste Schäden gemeldet. So trafen beispielsweise bei der Polizei in Pforzheim Berichte über zahlreiche beschädigte Autos ein. Als Reaktion auf die zerstörerische Kraft des Sturmtiefs blieben sowohl der Badener Wildpark als auch der Hauptfriedhof in Pforzheim geschlossen. Auch im Kreis Rastatt, im Ortenaukreis sowie in Baden-Baden und Umgebung wurden Ziegel von Dächern geweht, stürzten Bäume um und brachen Äste ab.

Stromausfälle im Main-Tauber-Kreis und Neckar-Odenwald-Kreis

Auch der Rems-Murr-Kreis, der Kreis Schwäbisch Hall sowie der Ostalbkreis waren betroffen, wie die Polizei in Aalen mitteilte. Das Unternehmen Netze BW gab zudem bekannt, dass es im Main-Tauber-Kreis sowie im Neckar-Odenwald-Kreis und im Kreis Tübingen zu Stromausfällen gekommen sei. Die Reparaturarbeiten waren zunächst noch in Gange.

Besonders betroffen war neben dem Schwarzwald der Norden des Landes. So wütete der Sturm auch in Mannheim und sorgte dafür, dass mehrere Lastwagen auf der Rheinbrücke quer standen. In der Stadt konnten die Menschen am Donnerstag weder Parks noch Friedhöfe besuchen, es fanden jedoch Beerdigungen statt. „Besucher von Trauerfeiern bitten wir, wegen der drohenden Ast- und Baumbruchgefahr die Hauptwege nicht zu verlassen“, hieß es aus dem Rathaus. Seit dem frühen Morgen waren Einsatzkräfte der Feuerwehr unterwegs, um Sturmschäden zu beseitigen.

Aufgrund des Unwetters blieb auch der Zoo in der Nachbarstadt Heidelberg am Donnerstag vorsorglich geschlossen. „Wir möchten kein Risiko eingehen“, hieß es vom Zoo. Auch die Pforten des Schlossgartens im nahen Schwetzingen blieben wegen der Unfallgefahr durch Ast- und Baumbruch geschlossen.

 

Herbststurm „Hendrik“ sorgt neben reichlich Wind für Verwirrung

Das erste Sturmtief des Herbstes heißt „Hendrik“ - und sorgte damit für einige Verwirrung. Denn neben „Hendrik“ war auch Tief „Ignatz“ wetterbestimmend, zumindest bis Mittwoch, erklärte der Deutsche Wetterdienst (DWD) in Offenbach. Nachts habe sich dann ein Teiltief mit Namen „Hendrik II“ hervorgetan - und sei letztlich für den Sturm am Donnerstag verantwortlich gewesen. Der genaue Hergang müsse noch geklärt werden, heißt es beim DWD.

Die Namensgebung bei wetterbestimmenden Tief- und Hochdruckgebieten erfolgt nach einer alphabetischen Liste durch das Institut für Meteorologie der Freien Universität Berlin. Dazu werden für einen dreistelligen Betrag Patenschaften vergeben. Als nächstes folgt demnach „Jascha“.