Mehrere Pumpen saugen das Regenwasser vom Gelände des Umspannwerks in der Eppinger Scheuerlestraße und befördern es zurück in die Elsenz. Die ist auf einen Pegel von 2,30 Meter angewachsen.

Fotos: Jürgen Kümmerle

Es ist offenbar fünf vor zwölf am Umspannwerk in Eppingen. Die Elsenz ist aufgrund der heftigen Regenfälle auf eine beachtliche Höhe angewachsen. Es droht, dass die Technik des Umspannwerks überschwemmt wird. Der Regen hat das Gelände bereits unter Wasser gesetzt und steht bis kurz vor der Tür eines Gebäudes der Anlage Etwa 70 Liter regnet es in der Nacht auf Dienstag in Eppingen.

Seit 1.12 Uhr ist die Freiwillige Feuerwehr Eppingen im Einsatz. Es besteht die Gefahr, dass Oberflächenwasser von Feldern in die Häuser der Eppinger eindringt. "Ab 4.30 Uhr ging es Schlag auf Schlag", sagt Kommandant Thomas Blösch. Die Feuerwehr ist mit zehn Fahrzeugen und 60 Kräften im Einsatz. Die Elsenz, ein eigentlich friedliches Gewässer, das durch das künftige Gartenschaugelände fließt, führt immenses Hochwasser. Mehrere Kellerräume entlang des Postwegs laufen voll. Die Feuerwehrleute platzieren Pumpen in den Gärten und saugen das Regenwasser ab. Die Eingänge der Keller dichten sie mit Sandsäcken und Hochwassersperren ab.

Pumpen laufen auf Hochleistung

Dass das Umspannwerk in der Scheuerlestraße nicht überflutet worden ist, ist den Mitgliedern der Feuerwehr zu verdanken. 20 Pumpen sind im Einsatz, um Keller von Gebäuden leer zu pumpen und das Umspannwerk zu schützen. Auf 2,30 Meter ist die Elsenz angewachsen. "Die kritische Marke liegt bei 2,35 Meter. Das war schon eine heiße Nummer", sagt Blösch. Stauwärter Kurt Schlimm ist seit 4.30 Uhr vor Ort. Zwei Pumpen, die pro Minute 800 Liter aus dem Gelände des Umspannwerks befördern, und die Pumpe am Feuerwehrauto, die noch einmal 2200 Liter Regenwasser pro Minute absaugt, sind im Einsatz und verhindern Schlimmeres. Jörg Busse, Pressesprecher bei Netze-BW, teilt in einer E-Mail mit, dass Anlagen permanent aus der Ferne überwacht werden. "Im Bedarfsfall können Schalthandlungen zur Sicherstellung der Versorgung vorgenommen werden."

Zu früh für eine Zwischenbilanz

Wie groß der Schaden auf dem Gartenschaugelände ist, kann Oberbürgermeister Klaus Holaschke am Dienstagnachmittag noch nicht sagen. Für eine Zwischenbilanz sei es noch zu früh. Trotz der Überflutung habe die Hochwasserrückhaltung funktioniert. Auch er sagt: "Das war ein außerordentliches Regenereignis. Es war heftig." Die Menge an Regenwasser, die über Eppingen niedergegangen ist, könne man nicht zurückhalten. Man habe wohl überall Vorsorge getroffen. Trotzdem setze er sich mit dem Hochwasserzweckverband zusammen, kündigt Holaschke an. Während der Gartenschau, die im kommenden Jahr geplant ist, soll sich ein solches Hochwasser nicht wiederholen.

Lokales Ereignis im Kraichgau

Nach Angaben von Kreisbrandmeister Bernd Halter seien gestern im Landkreis Heilbronn insgesamt zehn Einsätze in Eppingen und Gemmingen gemeldet worden. "Durch den Starkregen schwellen Bäche und Zuläufe an. "Wenn sie nicht abfließen, steigt die Gefahr für Hochwasser." Das Unwetter in Teilen des Kraichgaus sei vor allem ein lokales Ereignis gewesen. Das bestätigt Sabine Krüger, Meteorologin beim Deutschen Wetterdienst in Frankfurt. Eppingen sei aus Sicht des Landkreises Heilbronn im Grenzbereich des Niederschlagsgebiets gewesen. "Das ist für Eppingen unglücklich gelaufen." Die Wetterlage in der Region sei derzeit festgefahren und ziehe nicht weg. Lokale Gewitter lägen im Sommer in der Natur der Sache. Eine Dauerregensituation sei auch heute und am Donnerstag zu erwarten. Die Feuerwehr Eppingen hat deshalb bei den besonders betroffenen Gebäuden vorgesorgt und Sandsäcke ausgegeben, erklärt Kommandant Blösch.

Dass auch in den Sommermonaten immer mal wieder Gewitter durchziehen, sei nicht ungewöhnlich. Durch die heißen und trockenen Sommer der vergangenen Jahre sei man das nicht mehr gewohnt, erklärt Krüger.

 

 

Forstkammer: Wald kann jeden Tropfen Regenwasser gebrauchen

Der anhaltende Regen der vergangenen und der kommenden Tage kommt der Forstkammer überaus gelegen. „Der Wald kann im Moment jeden Tropfen Regenwasser gebrauchen“, sagte Forstkammer-Geschäftsführer Jerg Hilt am Dienstag. „Wir sind heilfroh, dass wir nicht das vierte Trockenjahr in Folge haben.“

Nach dem jüngsten Waldzustandsbericht des Agrarministeriums gelten 46 Prozent der Waldfläche als deutlich geschädigt. Schäden sind laut dem Bericht, der sich auf stichprobenartige Untersuchungen des Nadel- und Blatt-Behangs stützt, auf die Folgen von Hitze und Dürre zurückzuführen. Auch nach Angaben der Forstkammer wirkt das extreme Trockenjahr 2018 noch nach, weil es 2019 und 2020 zu wenig Niederschläge gab. „Der Wald hat ein langes Gedächtnis“, sagte Hilt der Deutschen Presse-Agentur. „Deshalb sollten alle Menschen in Baden-Württemberg, die für eine möglichst intakte Natur sind, dankbar sein, wenn es auch jetzt im Sommer immer mal wieder weiterregnet.“