Während das Bahnprojekt Stuttgart 21 für Kritiker einem Fass ohne Boden gleicht, sehen Befürworter in ihm eine Chance, architektonisch etwas Einzigartiges zu schaffen. Fakt ist: Das Milliardenprojekt polarisiert und sorgte wegen der stetig steigenden Kosten - Stand heute 8,2 Milliarden Euro - oder den Bäumen, die deswegen schon weichen mussten, bundesweit für Schlagzeilen.

Sich persönlich ein Bild von der Baustelle zu machen, dazu hatten 19 Stimme-Leser am Samstagnachmittag die Gelegenheit. Bevor es mit Sicherheitsstiefeln, Helm und Weste auf die Baustelle ging, gab es von Erwin Thieleke eine Einführung im Infoturm.

Viel mehr als Stuttgart 21

Der Guide betonte, dass das Projekt weit über den viel diskutierten Umbau hinausgeht. Abgesehen davon, dass der Stuttgarter Hauptbahnhof in eine unterirdische Durchgangsstation umgebaut und an eine neue Schnellbahntrasse Richtung Ulm angebunden wird, entstehen zudem drei weitere Bahnhöfe: der Bahnhof Flughafen/ Messe, die S-Bahn-Station Mittnachtstraße und der Abstellbahnhof in Untertürkheim.

Das Bahnprojekt Stuttgart-Ulm umfasst neben Stuttgart 21 auch noch die Neubaustrecke Wendlingen-Ulm, erklärte Thieleke, für die eine 60 Kilometer lange Bahnstrecke gebaut wird und die sich künftig an die Hochgeschwindigkeitsstrecke anschließen soll. Kostenpunkt: 3,7 Milliarden Euro. Im Dezember 2025 sollen beide Teilprojekte fertig sein.

Ab auf die Baustelle

Nach jeder Menge Daten und Fakten und einem virtuellen Drohnenflug durch den künftigen Bahnhof ging es für die 19 Stimme-Leser dann ab auf die Baustelle. Wie der Bahnhof künftig aussehen wird, zeigte ein Blick auf die kürzlich eingeweihte Straßenbahn-Haltestelle der Staatsgalerie: Keine einzige eckige Kante ist zu sehen. "Es gibt nur Rundungen", beschrieb es Thieleke.

Mercedes-Stern abmontiert

Wer sich kurze Zeit später beim Betrachten des Bahnhofsturms wunderte, wo der Mercedes-Stern abgeblieben ist, der sich seit fast 70 Jahren auf dem Turm des Bonatzbaus drehte, wurde von Erwin Thieleke aufgeklärt: Der Stern wurde für die Arbeiten demontiert und zog, bis alles fertig ist, ins Mercedes-Museum um.

Zum Abschluss durfte die Truppe noch eine Kelchstütze begutachten, auch Lichterauge genannt, von denen bald 28 Stück das Bahnhofsdach säumen werden. Durch das Glasgitterdach wird Tageslicht in die Bahnsteighalle geleitet. Zusätzlich haben sie eine stützende Funktion, erklärte Thieleke.

Baden-Württemberg als das Land der Tüftler

Stimme-Leser Martin Stuber war am Ende der Führung begeistert. "Die Architektur fand ich sehr interessant." Damit mache Baden-Württemberg seinem Ruf als das Land der Tüftler alle Ehre.

Auch Petra Rupprecht war beeindruckt: "Es war spannend, eine so riesige Baustelle in echt zu sehen und einen Hauch von Überblick über das Projekt zu bekommen."