Eine Tonne Schokolade pro Jahr, 2500 Eier pro Woche, ein Forellenbecken im Keller und einen eigenen Bienenstock im Garten: Die Gäste von Boris Rommel staunten am Montag nicht schlecht, als der Sternekoch bei einer Führung durch das Wald- und Schlosshotel Friedrichsruhe Einblicke in die vier Restaurants und das Hotel gab.

Währenddessen hatten die sechs Leser der Hohenloher Zeitung, Heilbronner Stimme und Kraichgau Stimme die Möglichkeit, dem Sternekoch ihre Fragen zu stellen, um im Anschluss bei einem Kochkurs in die Geheimnisse der Spitzengastronomie einzutauchen.

Gebratenes Bachsaiblingsfilet mit Radieschenvinaigrette

"Gebratenes Bachsaiblingsfilet mit Spitzkohlsalat und Radieschenvinaigrette" - so kündigt es die Karte an, die die sechs Lesersommer-Teilnehmer am Montag auf ihrem Tisch vorfinden. Und nicht nur das Rezept, auch der Tisch ist exklusiv, denn es ist der sogenannte "Chefstable".

Das zauberten die sechs Leser auf ihre Teller: Gebratenes Bachsaiblingsfilet mit Spitzkohlsalat und Radieschenvinaigrette. Foto: Katrin Draskovits

Hier können zwischen sechs und zehn Personen sitzen und - dank Panoramafenster - zuschauen, wie Rommel und sein Team in der Küche des Gourmetrestaurants Le Cerf ihre Speisen zubereiten. Doch an diesem Tag sind die Gäste nicht nur Zuschauer, sondern werden später selbst Hand anlegen.

Zunächst gibt es Zeit, bei einem Glas Sekt dem Zwei-Sterne- Koch Fragen zu stellen: Wie teuer so ein Fünf-Gänge-Menü ist ("Bis zu 184 Euro"), ob es auch in einer Zwei-Sterne-Küche Nachwuchsprobleme gibt ("Ja") und ob der Umgangston in der Küche wirklich so rau ist, wie es in Filmen oft gezeigt wird ("nicht mehr").

Boris Rommel erzählt so einiges über die Hintergründe im Restaurant und im Wald- und Schlosshotel allgemein. So zeigt sich die Neckarsulmerin Ingrid Weiß erstaunt, dass alleine das Anrichten im Gourmet-Restaurant sechs bis acht Minuten dauern kann, Armin Müller aus Oedheim muss lachen, als Rommel erzählt, dass die Preise für ein Kilo weißen Trüffel von früher 2400 Euro auf derzeit rund 5500 Euro pro Kilo gestiegen sind.

Führung durchs Wald- und Schlosshotel Friedrichsruh

Bei einer Führung durchs Wald- und Schlosshotel plaudert Rommel aus dem Nähkästchen und erzählt, dass es bald eventuell im Spa-Restaurant noch mal ein neues Restaurant geben wird, "aber das ist noch nicht spruchreif und nur eine Überlegung". Weiter geht es in die Waldschenke, ein eher rustikales Restaurant. "Für den Gast, dem es drüben zu schickimicki ist,", sagt Rommel mit einem Lächeln. Auch über das restliche Gelände hat Rommel einiges zu erzählen. Etwa zu den zwei Personalhäusern: "Die sind vor allem für Azubis oder Mitarbeiter aus dem Ausland."

Nach einer kurzen Stärkung geht es an das, wofür die Gäste eigentlich hier sind: an den Herd. Oder zumindest in die Nähe. Denn zunächst steht die wohl größte Aufgabe für die Lehrlinge in spe an: Der Saibling muss filetiert werden. Was bei Boris Rommel schnell geht und einfach aussieht, wirkt bei den Teilnehmern schon etwas komplizierter.

Kompetent Fisch filetieren

Clara Weiß filetiert heute zum ersten Mal einen Fisch. So richtig zufrieden ist die 29-Jährige nicht mit ihrem Ergebnis, ähnlich ergeht es ihrer Mutter. "Ich habe zu viel Tartar produziert", sagt Ingrid Weiß - denn zuvor hatte Rommel erklärt, dass auch aus Resten noch Leckeres entstehen kann. "Man muss schon so 100 Fische filetiert haben, damit die Handgriffe sitzen", beruhigt Rommel, während er von Nachwuchskoch zu Nachwuchskoch geht und hilft.

Nach einem kleinen Ausflug in die Zubereitungsmöglichkeiten des Fisches geht der Rest dann recht schnell: Weißkohl und Radieschen schneiden, eine "1-2-3-Vinaigrette", wie Rommel sie nennt, und schon wird der Fisch gebraten. "Nicht in Mehl ertränken", so der Profi-Tipp. "Ob man ihn davor oder danach salzt, das sieht jeder Koch anders", sagt Rommel.

Erlebnis, an das man sich lange erinnert

Und dann, nach vier Stunden, wird endlich gegessen. "Ich habe schon wirklich Appetit", gesteht Irmgard Weiß. Und die Begeisterung ist riesig. "Es schmeckt unglaublich köstlich", findet nicht nur Armin Müller. Einig sind sich die Leser auch darin, dass es ein unvergesslicher Tag war.

"Ein Erlebnis, an das man sich noch lange erinnern wird", so Ingrid Weiß. "Ich verstehe jetzt, warum eine Sterneküche so teuer ist", sagt Harald Weidmann und verspricht, das nächste Mal als Gast vorbeizukommen. "Wenn auch nicht so oft, die Preise sind schon happig", so der Öhringer lachend. Und auch Rommel gesteht: "In eine Sterneküche Essen gehen ist nichts für jeden Tag, das mache auch ich nur einmal im Jahr."