So kannte man Uwe Jacobi auch: als Kabarettist und unterhaltsamer Stadtführer bei einem seiner Auftritte auf dem Heilbronner Marktplatz.

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Er war ein feinsinniger Schreiber und ein launiger Erzähler mit einer großartigen Sprache. Sein Journalistenkürzel "jac" wurde in Heilbronn und darüber hinaus zum Inbegriff lebendiger, tiefsinniger und zuweilen philosophischer Heimat- und Stadtgeschichte. 44 Jahre lang bildeten Uwe Jacobi und die Heilbronner Stimme ein unzertrennliches Gefüge. Am 30. Mai 2020 ist der Journalist aus Leidenschaft nach kurzem Klinikaufenthalt im Alter von 80 Jahren gestorben.

Uwe Jacobi und Heilbronn haben sich vielleicht nicht gesucht, gefunden haben sie sich dennoch. 1939 in Bad Cannstatt geboren, hatte der junge Journalist über das Hohenloher Tagblatt, die Geislinger Zeitung und den Böblinger Boten 1961 den Weg zur Heilbronner Stimme gefunden. Er avancierte zum Lokalchef, Chefreporter und zum stellvertretenden Chefredakteur. Die Leser liebten seine Zeitungsgeschichten und seine zahlreichen Bücher. Erinnert sei stellvertretend an "Sie machten Geschichte – Porträts berühmter Heilbronner", "Die schönsten Jahre", "Die vermissten Ratsprotokolle" oder an das "Kriegsende in Heilbronn". Durch diese großartigen Werke wurde Uwe Jacobi zum historischen Gewissen und zum Gedächtnis der Stadt Heilbronn. Er war ein Pfadfinder in Sachen Heilbronn. Aus diesem Wissen heraus schrieb er auch zwei Heilbronn-Führer.

Beobachten, Recherchieren, Formulieren waren sein Leben. Sein Arbeitszimmer glich dabei einem Archiv mit einer faszinierenden Unordnung. Hier entblätterte sich ein Strauß vielfältigster Schaffenskraft, Putzfrauen mieden es, aufzuräumen. Dabei sah man "jac" in seinem Büro nie ohne eine Zigarette, nie ohne eine weitere Tasse Kaffee. Freie Tage verbrachte er meistens in der Redaktionsstube – Urlaube waren nicht sein Ding. Uwe Jacobi war einer der wenigen Journalisten, die gleich auf zwei begehrte und anerkannte Auszeichnungen ihres Berufsstandes zurückblicken können: den Theodor-Wolff- und den Wächterpreis.

Neben der Historie galt seine Liebe dem Theater. Die Revue "Heilbronn lebt" und die "Württemberger Wein-Revue" stammen aus seiner Feder. Im Theaterverein, als Mitbegründer des Kindertheaters, als theatralischer Stadtführer und als Kabarettist bei "Die Hegelmaiers" auf dem Theaterschiff lebte Jacobi mal bissig-böse, mal ironisch heiter vor, dass er ein Heilbronner mit Herz war.

Für seine vielfältigen Verdienste um Heilbronn wurde Uwe Jacobi mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet. Viel mehr hatte ihm jedoch die Goldene Münze der Stadt Heilbronn bedeutet. Sie war für den Journalisten mit einer ihm eigenen Mischung aus Selbstbewusstsein und Bescheidenheit Anerkennung, für seine Wahlheimat Heilbronn gelebt zu haben.