Körperliche Yoga-Übungen helfen dabei, beweglich zu bleiben und Gleichgewicht zu finden. Zur Stunde gehören auch Meditation und tiefe Entspannung dazu.

Foto: Peter Klotz

Den schwierigen Übergang von der "wohltuenden Entspannung" zurück in den Saal, die Umgebung und die Welt schaffte Marina Wissmann mit viel Einfühlungsvermögen und ihrer ruhigen und angenehmen Stimme. Dabei war die Yoga-Stunde im Rahmen des XXL-Lesesommer-Angebots ihre erste Stunde nach der zweijährigen Ausbildung. Gerne hätte sie nach Corona schon im September mit dem Programm begonnen, aber leider gab es in ihrem Oedheimer Übungsraum einen Wasserschaden, deshalb musste sie für die Premiere in das evangelische Gemeindehaus in Neuenstadt-Stein umziehen.

An sich selbst denken

Ausgeschrieben war die Yoga-Stunde für pflegende Angehörige. Für Wissmann, beruflich als Diplompädagogin in einer Beratungsstelle für diesen Personenkreis tätig, ist so ein Angebot sehr wichtig, denn bei allem Einsatz für Verwandte und Freunde denken die Pflegenden oft erst zuletzt an sich.

Bedarf an Erholung

Einen Bedarf an Erholung und Entspannung spürte auch Andrea Brosig aus Untergriesheim. Die Krankenschwester pflegte zunächst ihre inzwischen verstorbene Tante und aktuell ihre Eltern und merkt, dass der Grad der Anspannung bei nahen Verwandten viel größer ist als im beruflichen Alltag. Yoga hatte sie noch nie probiert. Sie wurde von der Lesesommer-Aktion angelockt und möchte "auf jeden Fall" dabeibleiben.

Ihre Mattennachbarin, Heilerziehungspflegerin Sigrid Fleck, ist privat in einer ähnlichen Situation, sie macht aber schon seit Jahrzehnten Yoga. Sigrid Fleck fand die Stimme der Lehrerin ebenfalls sehr angenehm und konnte sich bei dem Programm sowohl entspannen, als auch Kraft für ihren Körper und die Geist-Seele-Ebene finden.

In Gedanken vom Alltag lösen

Mit einer Matte, lockerer Kleidung, Socken oder leichten Stoffschuhen kamen die vier Teilnehmer in den mit einem Tuch, Teelichtern und einem Blumenarrangement passend dekorierten Gemeindesaal, in dem sich zudem das Licht je nach Erfordernis dimmen ließ. Das Angebot von Tee und einer zusätzlichen Decke wurde gerne angenommen und das Urteil "der schmeckt nach Weihnachten" darf sicher positiv gesehen werden.

Marina Wissmann begann ihre Stunde mit einer Meditation in der vertrauten Ansprache mit "Du" und man konnte sehen, wie die Damen sich zunehmend von der Umgebung lösten. Das Bild von locker ziehenden Wolken über der bunten Blumenwiese half, sich zwar nicht körperlich, aber in Gedanken vom Alltag zu lösen. Das wichtigste Element zum "Runterkommen" ist das bewusste Atmen. In der gefühlten Geborgenheit gelingt das Loslassen.

In Balance

Im zweiten Abschnitt wird der Körper bei kontrollierter Atmung in verschiedenen Lagen angespannt, bewegt und gefordert, erklärte Wissmann. Das wirkt sich positiv auf die Beweglichkeit aus und hilft den Organen, dem inneren und äußeren Gleichgewicht und bringt den Übenden in Einheit mit seinem Körper. Am Ende sollte die Gruppe wieder langsam und sanft auf die Erde zurückkehren. Yoga bedeute auch Zeit für eine mentale Reise, die man sich regelmäßig gönnen sollte.