In Zwickau laufen mit dem ID.3 und dem ID.4 bereits zwei E-Modelle vom Band. Der Stammsitz Wolfsburg muss nach derzeitigem Stand noch bis 2026 warten, bis mit dem Projekt Trinity die E-Mobilität Einzug hält. Foto: dpa

Im VW-Konzern wird die Diskussion über die künftige Ausrichtung des Autobauers von kolportierten Zahlen eines drohenden Arbeitsplatzabbaus überschattet. Konzernchef Herbert Diess hat die dürftige Auslastung und den Umbau des Stammwerks Wolfsburg in der September-Sitzung des Aufsichtsrats thematisiert.

Nach Informationen des "Handelsblatts" soll er dort Szenarien vorgestellt haben, wonach an den deutschen Standorten bis zu 30.000 Stellen wegfallen könnten. Der Konzern bestreitet, dass es solche konkreten Szenarien gibt: "Ein Abbau von 30.000 Stellen ist kein Thema", hieß es aus Wolfsburg.

Die Produktion kommt spürbar unter Druck

Der "Handelsblatt"-Beitrag schlägt Wellen. Denn zu einer Zeit, da die Lieferkrise bei Halbleiterchips und die Absatzkrise beim früheren Erfolgsmodell Golf den Stammsitz vor riesige Herausforderungen stellt, wachsen die Sorgen, wie es mit den 66.000 Mitarbeitern in Wolfsburg langfristig weitergeht. Gar nicht leugnen will man bei VW deshalb, dass Konzernchef Diess seine Gedanken zum Thema dem Aufsichtsrat präsentiert hat.

Auf Anfrage unserer Redaktion erklärt ein Sprecher, es stehe außer Frage, "dass wir uns angesichts der neuen Marktteilnehmer mit der Wettbewerbsfähigkeit unseres Werks in Wolfsburg befassen müssen." Tesla werde mit seinem neuen Werk in Grünheide neue Maßstäbe in der Produktivität und bei den Größenordnungen setzen.

 

VW will ab 2026 in Wolfsburg ein E-Modell vom Band laufen lassen, das seinerseits Maßstäbe setzen soll. Der Projektname lautet Trinity. "Mit dem Projekt Trinity haben wir die Chance, den Standort Wolfsburg zu revolutionieren und Arbeitsplätze nachhaltig abzusichern. Die Debatte ist jetzt angestoßen und es gibt bereits viele gute Ideen", teilt der Sprecher mit. Er sagt aber auch: "Konkrete Szenarien gibt es nicht."

Damit widerspricht er der Darstellung, Diess habe eine konkrete Zahl zu einem möglichen Stellenabbau präsentiert. In der Tat erscheint es nicht besonders plausibel, dass solch eine Bombe - wäre sie wirklich gezündet worden - erst Wochen nach einer Aufsichtsratssitzung bei VW platzt.

Andererseits wünschte sich auch VW-Betriebsratschefin Daniela Cavallo eine klare Stellungnahme des Unternehmens dazu. Sie selbst schrieb im Intranet von VW: Ein Abbau von 30.000 Arbeitsplätzen wäre "absurd".

Beschäftigungssicherungsprogramme lassen sich nicht so einfach umgehen

Im Rahmen von Beschäftigungssicherungsprogrammen wurde langfristiger Kündigungsschutz an den deutschen Standorten zugesichert. Im Gegenzug soll die Beschäftigtenzahl sozialverträglich reduziert werden. Bis 2025 sollen beispielsweise in Neckarsulm und Ingolstadt 9500 Stellen abgebaut werden. Würde nun ein zusätzlicher Abbau anstehen, müsste das auf jeden Fall mit dem Betriebsrat ausgehandelt werden. Doch die Sorgen, die man sich aufgrund der angeblichen Überlegungen auch hier machen könnte, sind womöglich verfrüht.

Greifbar ist allerdings die Sorge des VW-Chefs, was den Transformationsprozess am Standort Wolfsburg und im Konzern insgesamt angeht. Bei einer Management-Tagung in Alpbach in Österreich sollen diese Themen eine zentrale Rolle spielen.

Vorreiter Neckarsulm

Sollten die elektrischen Trinity-Modelle wirklich in den alten Werkshallen in Wolfsburg montiert werden, stellt sich eine ähnliche Situation wie in Neckarsulm dar: Auch hier haben wir ein räumlich begrenztes Werkgelände mit Strukturen, die über Jahrzehnte gewachsen sind. Wie eine moderne, digitalisierte Produktion unter solchen Rahmenbedingungen aussehen kann, ist ein Spezialthema des Neckarsulmer Audi-Werks. Hier sollen Abläufe und Applikationen entwickelt werden, die dann im gesamten VW-Konzern ausgerollt werden. Wie hoch die Investitionen in diesem Bereich sind, wie viele zusätzliche Mittel in Neckarsulm dafür bereitgestellt werden, darüber schweigt man sich allerdings in Ingolstadt wie in Neckarsulm aus.