Kameraden der Feuerwehr Güglingen sind in der Nacht mit dem Boot auf der Ahr unterwegs, um einen abgeschnittenen Ortsteil im Dorf Rech zu erreichen.

Es gibt weitere Hilfe für das Katastrophengebiet aus der Region Heilbronn: Der "Hochwasserzug Heilbronn Land" ist am Montag Richtung Rheinland-Pfalz aufgebrochen.

Die Kameraden der Feuerwehren Brackenheim und Güglingen haben dort in abgeschnittenen Dörfern, die teilweise nur per Boot oder Hubschrauber zu erreichen sind, zunächst Satellitenantennen installiert. Das sei auch deshalb wichtig, damit mehr Erkenntnisse über Vermisste gewonnen werden können. Telefon- und Handyverbindungen gebe es noch immer vielerorts nicht. "Über WLAN könnten die Betroffenen wenigstens mitteilen, hier sind wir und uns geht es gut", sagt Marcel Karger von der Feuerwehr Brackenheim.

"Mir gehen die Schicksale der Menschen hier sehr nah", sagt Marlon Fried von der Feuerwehr Güglingen. "Das Bild der Zerstörung macht mich sprachlos. Es ist nicht in Worte zu fassen, was sich hier zugetragen hat."

Autos treiben wie Spielzeug im Wasser

In vielen Orten gäbe es noch Keller, die unter Wasser stünden, sagt Marcel Karger. Und Autos, die wie Spielzeug im Wasser treiben. Daher bestehe die Möglichkeit, dass sie bei ihrer Arbeit auf Leichen stoßen könnten. "Wir sind uns dessen bewusst", sagt Karger.

Im Krisengebiet leben auch Menschen, die aus der Region Heilbronn stammen. Johannes Gabler ist in Heilbronn aufgewachsen. Erst kürzlich zog er mit seiner Frau Aisha und den beiden Kindern in das Dorf Niederelvenich bei Zülpich - ganz in der Nähe von Erftstadt. Der 37-jährige Tischler und seine Familie hatten dort ihren Platz zum Leben gefunden, eine umgebaute Scheune in einer Art Hofgemeinschaft. Doch der Hof liegt in einer Talsenke, ganz in der Nähe des Rotbachs - und dieser Bach wurde unerwartet zum Fluss.

Neue Mietwohnung stand unter Wasser

Im Krisengebiet leben auch Menschen, die aus der Region Heilbronn stammen, so wie Familie Gabler.

Mit seinem Sohn sei er am Abend noch zum Bach gelaufen und habe gesehen, wie die Strömung schon sehr stark war. In der Nacht um 5 Uhr dann eine Durchsage der Feuerwehr: Sie sollten ihre Wohnhäuser verlassen. Kurze Zeit später stand die neue Mietwohnung von Familie Gabler unter Wasser. Wohnzimmer, Esszimmer, Küche und Schlafzimmer wurden zerstört. Die Matratzen konnten sie noch in den zweiten Stock retten. Türen abdichten habe in der Eile nicht funktioniert.

Jetzt ist unklar, wie es weitergeht. Ihr Sohn habe sich so gut eingelebt, sagt Johannes Gabler. Übergangsweise leben sie nun ein einer Ferienwohnung. Sie alle hoffen, dass die Hofgemeinschaft bestehen bleiben kann. Aber: "War es wirklich eine Jahrhundertkatastrophe oder müssen wir davon ausgehen, dass so etwas wegen des Klimawandels öfter passiert?", fragt sich der Familienvater. Vieles sei momentan offen.

Dieses Drohnenfoto zeigt den Hof im Dorf Niederelvenich, auf dem Johannes Gabler aus Heilbronn zuletzt mit seiner Familie lebte. Das Wasser aus dem Rotbach ist schon etwas zurückgegangen. Fotos: privat/Feuerwehr Güglingen

"Die reißenden Fluten des Rotbachs haben aus der Hofgemeinschaft des Thalhofs eine Schicksalsgemeinschaft gemacht", heißt es in einem Spendenaufruf der Betroffenen aus dem Dorf Niederelvenich. Die meisten der 13 Bewohner haben fürs Erste ihr Zuhause verloren. Für alle sei der materielle und emotionale Schaden immens.

Spendenkonto eingerichtet

Wer helfen möchte, kann dafür das Spendenkonto des Vereins Fairzülpich bei der Volksbank Euskirchen nutzen: DE 61 382600 820009746021 - Betreff "Spenden für Flutopfer Thalhof Niederelvenich".