Bei mehreren Modeschauen konnten Besucher der Hochzeitsmesse verschiedene Brautkleider-Stile in Aktion betrachten.

Fotos: Mario Berger

2020 war für die Hochzeitsbranche ein hartes Jahr. Fast alle großen Feiern mussten wegen der Corona-Pandemie abgesagt werden, manche Brautpaare verschieben ihre Hochzeit nun schon zum zweiten Mal - von 2020 auf 2021, und von 2021 auf das kommende Jahr. Erstaunlich viele Paare, die sich am Wochenende auf der Hochzeitsmesse im alten E-Werk in Heilbronn einfinden, heiraten sogar erst 2023. Die Aussteller zeigen sich dennoch zuversichtlich.

Brautpaare spüren mehr Planungssicherheit

Dass der große Ansturm auf die Branche erst noch kommt, glaubt der freie Trauredner Fabian Schwarz. "Es gibt jetzt mehr Planungssicherheit. Ich bin mir sicher, dass 2022 besser wird als dieses Jahr", sagt er. Impfungen und Klarheit bei den politischen Entscheidungen würden dazu beitragen, dass sich Paare auch eher trauen, Dienstleister ein dreiviertel oder ganzes Jahr im Voraus zu buchen.

Überrannt, da sind sich die meisten Aussteller einig, sind momentan eigentlich nur die beliebten Orte, wo Hochzeitsfeiern stattfinden, und Catering-Dienstleister.

 

Locationmangel und steigende Preise wegen Corona

Einen "Restaurant- und Locationmangel" beschreibt zum Beispiel Kevin Lienerth, der Eventmarketing und DJ-Services anbietet. "Wegen der großen Nachfrage steigen dann teilweise natürlich auch die Preise", sagt er. Manche beliebten Veranstaltungsorte hätten sogar erst im Winter 2022 wieder freie Freitage oder Samstage, die für Hochzeiten besonders beliebt sind. Von denen gebe es nach der Pandemie dann aber eben auch nicht mehr pro Jahr, um die ausgefallenen Aufträge wieder wettzumachen.

Die Corona-Zeit hat auch Kevin Lienerth nur über ein "zweites Standbein, auf das ich hüpfen konnte" überstanden. Wo sein Geschäft vorher noch hauptsächlich auf Hochzeiten und andere große Events ausgerichtet war, baute er es in der Zeit, in der nicht gefeiert werden konnte, auf Webdesign, Werbeagenturtätigkeiten und zum Beispiel Social Media Management aus.

Online-Workshops zu Make-Up und Hautpflege nicht dasselbe wie eine Analyse vor Ort

Auch verschiedene Juweliere mit Ehering-Angeboten waren vertreten.

Ähnlich machte es ein Fotograf und Designer, der die Corona-Zeit für Aufträge von Online-Shops und Webseiten-Design nutzte. Optimistisch sind die Aussteller auf der Hochzeitsmesse dennoch - auch, wenn die Unsicherheit bei vielen Paaren immer noch zu spüren ist.

Auch für Make-Up-Artistin Ilka Löwenberg war Corona "sehr anstrengend". Sie hat zwar Online-Workshops angeboten, "aber zum Beispiel die Haut lässt sich über Zoom nicht so gut analysieren", sagt sie. Zum Glück sei der Vertrieb bei bestehender Kundschaft aber auch in der Corona-Zeit weitergegangen.

Hochzeitskleider-Nachfrage läuft nur langsam an

Tanja Roth vom Brautstudio Estelle beschreibt die Stimmung 2020, als "gar nichts laufen konnte", so: "Die Vorfreude der Brautpaare war dahin. Sie wussten nicht, wie viele Gäste kommen dürfen und ob sie die Hochzeit verschieben müssen." Das Brautmode-Geschäft laufe nun langsam wieder an.

Allerdings, heißt es am Stand von Kleider Müller, hätten viele Bräute ihre Kleider schon gekauft und würden jetzt 2022 ihre Hochzeit feiern. Ein "Aufholgeschäft" nach Corona werde es also möglicherweise gar nicht geben oder erst verspätet. Mit Blick in die Zukunft heiße es jetzt abwarten - aber nicht ohne Zuversicht.