Gehen mit einem Einser-Abitur vom Albert-Schweitzer-Gymnasium Neckarsulm (von links): Anja Hofmann, Lea Thun, Henriette Hilbig, Melissa Bauer, Paul Dittmann und Paula Schick. Foto: Simon Gajer

Woran es lag, dass die Jugendlichen mit 1,0 das Abitur geschafft haben, können sie nur schwer sagen. Die Prüfung allein war es nicht: Es kommt darauf an, wen man fragt. Mathe war gut, oder eben nicht. Es waren aber außergewöhnliche Monate bis zur Prüfung. Anders als sonst üblich hatten die Jugendlichen bis kurz vor den Klausuren Unterricht. "Das war anstrengend", erzählt Melissa Bauer. Und danach ging es gleich weiter mit dem Unterricht und weiteren Arbeiten, berichtet Paula Schick.

Corona hat die Vorbereitungsphase stark beeinflusst. "Über uns Absolventen hat man geredet", sagt Paula Schick. Trotz Corona-Schließung der Schulen durften alle Jugendlichen, die vor einer Prüfung standen, zurück in die Klassenzimmer kommen. Die Lehrer hätten dabei ihren Teil dazu beigetragen, dass der Abschluss so gut ausfiel. "Es ist sehr lehrerabhängig", sagt Henriette Hilbig. Von Glück spricht deshalb auch Anja Hofmann, dass sie die richtigen Pädagogen in den richtigen Fächern hatte. Sie lobt die ganze Schule. "Das ASG ist gut durch Corona gekommen."

Abiturientin sieht die Politik in der Verantwortung

Allerdings sieht Anja Hofmann die Politik in der Pflicht, für mehr Bildungsgerechtigkeit zu sorgen. Es dürfe nicht sein, dass die Bildung während Corona so stark davon abhängt, welche Lehrer man hat oder an welcher Schule man ist. "Es hängt von den Umständen ab", kritisiert sie. Luftreiniger seien sinnvoll, ergänzt sie. Zudem bedauert Anja Hofmann, dass Grundschüler über so viele Monate zu Hause lernen mussten. Sie bräuchten mehr. "Das ist die Vorstufe zum Abitur." Lea Thun stimmt ihr zu: "Da sind große Lücken."

Mit einem Einser-Schnitt hatte Paula Schick nicht gerechnet. Auch Anja Hofmann gibt zu, dass sie diesen Abschluss noch nicht richtig realisiert habe. Zumindest fürs Lernen sei Corona gut gewesen. Lernen oder etwas erleben: Unter normalen Umständen hätte Anja Hofmann sich dafür entschieden, etwas zu unternehmen. Das fiel wegen Corona weg. "Es gab nichts zu erleben." Lea Thun aber hat ab Klasse neun versucht, "alles zu geben". Paul Dittmann sagt: Corona habe den Jugendlichen klar gemacht, dass sie eigenverantwortlich seien und selbstständig lernen müssten.

Jugendliche lernen, aufs Wesentliche zu achten

Das mussten die Abiturienten erst lernen. Im ersten Lockdown vor einem Jahr, erzählt Melissa Bauer, sei sie nicht mit den Arbeitsmaterialien klargekommen. "Wir mussten lernen, das Wesentliche herauszupicken", sagt Henriette Hilbig.

Beim Abitur geht die Schere auseinander

Das Abitur hatte es in sich. Davon berichtet Schulleiter Marco Haaf, der die Direktoren in der Region als Sprecher vertritt. Beim Abschluss sei die Schere auseinander gegangen. Viele seien gut gewesen, aber auch einige durchgefallen. Die Direktoren führen dies auf das neue Abitur zurück. Die Jugendlichen mussten sich davor wieder für Leistungsfächer entscheiden, außerdem gab es strengere Regeln über Mindest-Noten, die zu erreichen waren. In den Vorjahren hätten schwächere Schüler mitschwimmen können, doch jetzt sei unter anderem in den Schwerpunktfächern das Niveau höher, erklärt Marco Haaf. "Es ist eine gute Entwicklung", betont er. Niemand wolle, dass das Abitur verschenkt werde.